Sensoren einer Lichtsteuerung liefern neben dem Schaltsignal zwei wertvolle Datenströme: Energiedaten, die den Verbrauch der Beleuchtung je Zone und Zeitraum sichtbar machen, und Belegungsdaten, die zeigen, wann und wie intensiv Flächen tatsächlich genutzt werden. Richtig ausgewertet, belegen Sie damit Einsparungen, finden Fehlfunktionen, planen Wartung vorausschauend und treffen bessere Entscheidungen über Flächen, Reinigung und Haustechnik. Dieser Ratgeber zeigt, welche Daten anfallen, wie Sie sie erfassen und speichern und welche Anwendungsfälle sich im Betrieb bewährt haben.

Welche Daten eine Lichtsteuerung liefert

Eine vernetzte Lichtsteuerung erzeugt im laufenden Betrieb eine Reihe von Daten, ohne dass zusätzliche Sensorik nötig ist:

DatenartQuelleTypische AuflösungNutzen
EnergieverbrauchEnergiemonitoring je Zone, z. B. CR01-ETC15-Minuten-WerteEinsparnachweis, Lastprofile, Berichte
PräsenzereignissePräsenzsensoren in Leuchte oder DeckeereignisbasiertFlächenauslastung, Bedarfssteuerung
Dimmwerte und SchaltzuständeSensoren, Nodes, GruppenereignisbasiertPlausibilisierung, Komfortanalyse
Tageslichtwerteintegrierte Lichtsensorenkontinuierlich bzw. ereignisbasiertBewertung der Tageslichtnutzung
SystemereignisseManagementebene, z. B. AU-ManagerereignisbasiertStörungsanalyse, Wartungsplanung

Die Auflösung hängt vom System und seiner Konfiguration ab. Für die Keilton+autani-Plattform gelten laut Datenblatt: Der CR01-ETC zeichnet alle 15 Minuten ein Rohprotokoll der Energieverbrauchsdaten einer Zone auf, der AU-Manager speichert alle Systemereignisse über ein Jahr lang und stellt Echtzeit- und historische Verbrauchsdaten grafisch dar.

Energiemonitoring: Vom Zähler zur Zonenauswertung

Ein zentraler Stromzähler für die Beleuchtung zeigt nur die Summe. Für die Optimierung brauchen Sie Werte je Zone, Etage oder Nutzungsart. Genau das liefert ein zonenbasiertes Energiemonitoring.

Datenerfassung auf Zonenebene

Der CR01-ETC ist ein USB-Dongle mit integrierter Echtzeituhr, der in einer Keilton+autani-Bluetooth-Mesh-Zone die Energieverbrauchsdaten erfasst und für Nutzungsberichte auswertet. Die Rohdaten werden auf einer Speicherkarte abgelegt. Für die Dimensionierung gibt das Datenblatt konkrete Werte an:

  • Für Zonen mit etwa 100 Knoten entstehen rund 28 MB Daten pro Monat.
  • Für die Speicherung von bis zu zwei Jahren wird eine Karte mit mindestens 700 MB empfohlen.
  • Die Karte muss mit dem Dateisystem FAT32 formatiert sein.
  • Eine integrierte Batterie hält die Uhrzeit auch bei Stromausfall, sodass Zeitstempel konsistent bleiben.

Datenaggregation im Gebäude

Auf Gebäudeebene bündelt der AU-Manager die Daten mehrerer Zonen. Über seine webbasierte Oberfläche lassen sich Zeitpläne anpassen, Lastmanagement umsetzen und Anlagen grafisch auf Grundrissplänen darstellen. Das erleichtert die Zuordnung von Verbräuchen zu Flächen. Neben der Beleuchtung kann der AU-Manager laut Datenblatt auch HLK und Steckdosen einbeziehen, Letzteres für den EU-Markt in Vorbereitung.

Belegungsdaten: Was Präsenzsensoren über Flächen verraten

Präsenzsensoren sitzen in einer modernen Lichtsteuerung in jedem Raum oder sogar in jeder Leuchte. Ihre Ereignisse ergeben ein feinmaschiges Bild der tatsächlichen Flächennutzung, ganz ohne zusätzliche Hardware.

Typische Kennzahlen

  • Belegungsquote: Anteil der Betriebszeit, in der eine Zone belegt ist
  • Spitzenauslastung: maximale gleichzeitige Belegung von Zonen, etwa einer Etage
  • Nutzungsmuster: Wochentage und Tageszeiten mit hoher und niedriger Nutzung
  • Ungenutzte Flächen: Zonen, die über Wochen kaum oder nie belegt sind

Anwendungsfälle im Facility Management

  1. Flächenoptimierung: In hybriden Arbeitsmodellen zeigen Belegungsdaten, ob Etagen zusammengelegt oder Flächen anders genutzt werden können. Das ist oft der größte wirtschaftliche Hebel, weil Mietflächen deutlich teurer sind als Energie.
  2. Bedarfsgerechte Reinigung: Reinigung nach tatsächlicher Nutzung statt nach festem Intervall.
  3. Haustechnik: Lüftung und Temperierung ungenutzter Zonen absenken. Voraussetzung ist eine Anbindung an die GLT, siehe GLT-Anbindung über BACnet, Modbus und API.
  4. Besprechungsräume: Abgleich von Buchung und tatsächlicher Nutzung deckt „Geisterbuchungen“ auf.

Beispiel: Auswertung einer Büroetage

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie eine Monatsauswertung für eine Büroetage aussehen kann. Die Werte sind fiktive Beispielwerte und dienen nur der Veranschaulichung, welche Schlüsse sich aus Belegungsdaten ziehen lassen.

ZoneBelegungsquote während der BetriebszeitAuffälligkeitMögliche Maßnahme
Open Space Nord62 %hohe Auslastung Di–Do, geringe Mo und FrDesk-Sharing-Konzept prüfen
Open Space Süd18 %dauerhaft geringe NutzungFlächen zusammenlegen, Zone abschalten
Besprechung 1–435 %häufig gebucht, selten genutztBuchungsregeln anpassen
Teeküche41 %Nutzungsspitzen mittagsReinigung zeitlich verschieben
Flur23 %Verbrauch auch nachtsZeitplan und Nachlaufzeit prüfen

Aus solchen Auswertungen ergeben sich oft Maßnahmen, die weit über die Beleuchtung hinausgehen. Gerade die Kombination aus Belegungs- und Energiedaten macht sichtbar, wo Flächen beheizt, belüftet und beleuchtet werden, ohne genutzt zu werden. Wichtig ist, die Ergebnisse gemeinsam mit Nutzern und Flächenverantwortlichen zu interpretieren, denn geringe Auslastung kann auch saisonale oder projektbezogene Gründe haben.

Predictive Maintenance und Störungserkennung

Die Daten der Lichtsteuerung helfen auch, Wartung vorausschauend zu planen:

  • Auffällige Verbräuche: Eine Zone, die nachts Verbrauch zeigt, deutet auf überbrückte Sensoren, falsche Zeitpläne oder Defekte hin.
  • Kommunikationsausfälle: Geräte, die sich nicht mehr melden, lassen sich gezielt prüfen, bevor Nutzer sich beschweren.
  • Brenndauer und Dimmwerte: Die tatsächliche Betriebsdauer der Leuchten erlaubt eine realistischere Planung von Austauschzyklen als die pauschale Annahme aus dem Datenblatt der Leuchte.
  • Batteriebetriebene Geräte: Bei Komponenten wie dem Deckensensor BCS107 oder dem Wandschalter WP108E lassen sich Batteriewechsel planen, statt auf Ausfälle zu reagieren. Der WP108E zeigt einen niedrigen Ladezustand zusätzlich über eine rot blinkende LED an.

Datenschutz und Mitbestimmung

Belegungsdaten aus Präsenzsensoren sind in der Regel anonym, da PIR-Sensoren keine Bilder aufnehmen und keine Personen identifizieren. Trotzdem sollten Sie einige Punkte beachten (keine Rechtsberatung):

  • Granularität: Bei Einzelbüros oder festen Arbeitsplätzen lassen sich Belegungsdaten unter Umständen einzelnen Personen zuordnen. Dann können datenschutzrechtliche Anforderungen greifen.
  • Mitbestimmung: Technische Einrichtungen, die zur Überwachung von Verhalten oder Leistung von Beschäftigten geeignet sind, können der Mitbestimmung des Betriebsrats unterliegen. Binden Sie Betriebsrat und Datenschutzbeauftragte frühzeitig ein.
  • Zweckbindung und Aggregation: Werten Sie Belegungsdaten auf Zonen- oder Etagenebene aus und legen Sie Zweck, Speicherdauer und Zugriffsrechte schriftlich fest.

Daten und regulatorische Anforderungen

Energiedaten werden zunehmend auch regulatorisch relevant. Das Energieeffizienzgesetz verlangt je nach Energieverbrauch eines Unternehmens Energie- oder Umweltmanagementsysteme bzw. Umsetzungspläne. Das Gebäudemodernisierungsgesetz fordert laut BBSR-Infoportal für Nichtwohngebäude mit Anlagen über 70 kW Nennleistung bis Ende 2029 unter anderem Monitoringtechnik und eine automatische Beleuchtungssteuerung mit Belegungserkennung (Stand: September 2026, keine Rechtsberatung). Einen Überblick gibt der Ratgeber GEG, EnEfG & EPBD.

So starten Sie mit der Datennutzung

  1. Ziele festlegen: Einsparnachweis, Flächenoptimierung, Wartung oder Berichtswesen?
  2. Datenquellen prüfen: Welche Zonen haben Energiemonitoring, welche Sensoren liefern Präsenzereignisse?
  3. Speicherung dimensionieren: Datenmenge je Zone und gewünschte Aufbewahrungsdauer abschätzen.
  4. Baseline erfassen: Vor Aktivierung der Steuerungsfunktionen oder anhand historischer Zählerdaten.
  5. Kennzahlen definieren: Wenige, aussagekräftige Werte statt Datenfriedhof.
  6. Regelmäßig auswerten: Monatliche Berichte mit Abweichungsanalyse, jährliche Überprüfung der Profile.

Welche Sensorik für Ihr Gebäude infrage kommt, zeigt der Sensor-Finder. Für die Auswertung bestehender Anlagen unterstützt Sie unser Support.

Fazit

Eine vernetzte Lichtsteuerung ist gleichzeitig ein flächendeckendes Messsystem. Energiedaten je Zone belegen Einsparungen und decken Fehlfunktionen auf, Belegungsdaten schaffen die Grundlage für Flächenoptimierung, bedarfsgerechte Reinigung und gewerkeübergreifende Steuerung. Mit dem CR01-ETC auf Zonenebene und dem AU-Manager auf Gebäudeebene stehen die Daten strukturiert zur Verfügung. Entscheidend sind klare Ziele, eine saubere Baseline und ein datenschutzkonformes Konzept. Sprechen Sie uns über die Kontaktseite an, wenn Sie Ihre Sensordaten gezielt nutzen möchten.

Häufige Fragen

Welche Daten liefert eine Lichtsteuerung?

Vernetzte Lichtsteuerungen liefern Energieverbrauch je Zone, Präsenzereignisse, Dimmwerte und Schaltzustände, Tageslichtwerte sowie Systemereignisse. Daraus lassen sich Einsparnachweise, Flächenauslastung und Wartungsbedarf ableiten, ohne zusätzliche Sensorik zu installieren.

Wie viel Speicherplatz braucht das Energiemonitoring?

Für den CR01-ETC gibt das Datenblatt bei Zonen mit etwa 100 Knoten rund 28 MB pro Monat an. Für bis zu zwei Jahre Speicherung wird eine FAT32-formatierte Karte mit mindestens 700 MB empfohlen.

Sind Belegungsdaten aus Präsenzmeldern datenschutzkonform?

PIR-Sensoren nehmen keine Bilder auf und identifizieren keine Personen, die Daten sind daher in der Regel anonym. Bei Einzelbüros kann jedoch ein Personenbezug entstehen. Werten Sie auf Zonenebene aus und binden Sie Datenschutzbeauftragte und Betriebsrat frühzeitig ein.

Können Präsenzsensoren Personen zählen?

Nein, PIR-basierte Präsenzsensoren erkennen, ob eine Zone genutzt wird, nicht wie viele Personen anwesend sind. Für Auslastungsanalysen reicht das häufig aus. Für exakte Personenzählung sind andere Technologien erforderlich.

Was bedeutet Predictive Maintenance bei der Beleuchtung?

Die Auswertung von Betriebsdaten, um Wartung vorausschauend zu planen: etwa auffällige Nachtverbräuche, Kommunikationsausfälle einzelner Geräte oder anstehende Batteriewechsel. So werden Störungen behoben, bevor Nutzer sie bemerken.