Bluetooth Mesh ist ein vom Bluetooth SIG standardisiertes Funknetzwerk, in dem jedes netzbetriebene Gerät Nachrichten an seine Nachbarn weitergeben kann. Für die Lichtsteuerung heißt das: Sensoren, Leuchten, Taster und Gateways kommunizieren drahtlos miteinander – ohne zusätzliche Steuerleitungen, ohne zentralen Controller für die Grundfunktionen und mit Reichweiten, die mit jedem weiteren Gerät wachsen. Das macht Bluetooth Mesh besonders attraktiv für Sanierungen im laufenden Betrieb, für Hallen und für Gebäude, in denen Leitungswege teuer oder schwierig sind. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Bluetooth Mesh funktioniert, wie sicher es ist und worauf Sie in der Planung achten sollten.

Von Bluetooth Low Energy zu Bluetooth Mesh

Bluetooth kennen die meisten als Punkt-zu-Punkt-Verbindung: ein Smartphone, ein Kopfhörer. Bluetooth Low Energy (BLE) hat den Energiebedarf so weit gesenkt, dass auch Sensoren und batteriebetriebene Taster funken können. Bluetooth Mesh, 2017 vom Bluetooth SIG veröffentlicht, setzt auf BLE auf und erweitert es um eine Netzwerkschicht, in der viele Geräte gleichberechtigt Nachrichten austauschen. Alle Geräte funken im lizenzfreien 2,4-GHz-Band.

Für die Beleuchtung hat der Bluetooth SIG 2023 zusätzlich die Networked Lighting Control (NLC)-Profile veröffentlicht. Sie beschreiben standardisierte Geräterollen wie Präsenzsensor, Lichtsensor, Szenenwähler, Dimmsteuerung und Leuchtencontroller, um die herstellerübergreifende Zusammenarbeit zu verbessern.

So funktioniert das Netz

Managed Flooding

Bluetooth Mesh nutzt ein Verfahren namens Managed Flooding. Ein Sensor sendet eine Nachricht – etwa „Anwesenheit erkannt“ – als Broadcast. Alle Geräte in Reichweite, die als Relay konfiguriert sind, senden sie weiter. So verbreitet sich die Nachricht über mehrere Sprünge (Hops) im Netz. Zwei Mechanismen verhindern, dass das Netz überläuft:

  • Time to Live (TTL): Jede Nachricht trägt einen Zähler, der bei jedem Sprung sinkt. Bei null wird nicht mehr weitergeleitet.
  • Nachrichten-Cache: Jedes Gerät merkt sich bereits gesehene Nachrichten und leitet sie kein zweites Mal weiter.

Der große Vorteil: Es gibt keine festen Routen, die ausfallen können. Fällt ein Gerät aus, finden Nachrichten automatisch andere Wege.

Knotentypen

KnotentypAufgabeTypische Geräte
Relay-Knotenleitet Nachrichten weiternetzbetriebene Sensoren, Leuchten-Nodes
Low-Power-Knotenschläft überwiegend, spart Batteriebatteriebetriebene Sensoren und Taster
Friend-Knotenpuffert Nachrichten für Low-Power-Knotennetzbetriebene Geräte in der Nähe
Proxy-KnotenBrücke zu Smartphones und Tablets (GATT)für App-Konfiguration
GatewayÜbergang zu IP-Netzen und GLTz. B. CR05 mit Autani Manager

Gruppenadressen statt Verdrahtung

In einer klassischen Installation bestimmt die Verdrahtung, welcher Melder welche Leuchten schaltet. In Bluetooth Mesh übernehmen das Gruppenadressen: Ein Sensor veröffentlicht (Publish) seine Meldungen an eine Gruppe, die Leuchten abonnieren (Subscribe) diese Gruppe. Soll ein Raum später geteilt oder zusammengelegt werden, ändern Sie die Gruppierung in der App – ohne einen einzigen Draht anzufassen.

Sicherheit

Bluetooth Mesh wurde für professionelle Anwendungen mit hohen Sicherheitsanforderungen entwickelt. Verschlüsselung und Authentifizierung sind nicht optional, sondern fester Bestandteil jeder Nachricht:

  • Netzwerkschlüssel: Nur Geräte, die bei der Inbetriebnahme (Provisioning) aufgenommen wurden, können am Netz teilnehmen.
  • Anwendungsschlüssel: Trennen verschiedene Anwendungen, etwa Beleuchtung und Zutritt, sodass ein Relay-Knoten Nachrichten weiterleiten kann, ohne deren Inhalt lesen zu können.
  • Geräteschlüssel: Sichern die Konfiguration jedes einzelnen Geräts.
  • Schutz vor Wiedereinspielen: Sequenznummern verhindern, dass mitgeschnittene Nachrichten erneut gesendet werden.

Die Verschlüsselung basiert auf AES-CCM mit 128-Bit-Schlüsseln. Entscheidend für die Praxis ist ein sauberer Umgang mit den Zugangsdaten: Die Übergabe des Netzes an den Betreiber und die Dokumentation der Administratorrechte gehören in jedes Inbetriebnahmeprotokoll.

Bluetooth Mesh im Keilton+autani-System

Alle Keilton+autani-Komponenten nutzen Bluetooth 5.0 und werden über die Keilton+autani-App konfiguriert. Die Datenblätter geben folgende Übertragungsreichweiten an (Freifeld-Angaben der Hersteller; in Gebäuden reduzieren Wände, Decken und Metall die Reichweite):

GerätFunktionReichweite laut Datenblatt
EFS104, EFS106, EFS107EHighbay- bzw. Dual-Tech-SensorBLE bis 100 m
IFS108, IFS105SESensor auf LeuchtenebeneBLE bis 30 m
FA102Bluetooth-Node in der Leuchte60 m
BCS107Batterie-Deckensensor61 m
WP108EBatterie-WandschalterBLE bis 30 m
CR05Bluetooth-Gateway300 m (TX1) bzw. 600 m (TX3)
CR02Astronomische Uhr für außen260 m, bis 500 m mit Range Extension

Für die Systemfunktionen gibt es spezielle Komponenten:

  • CR01: USB-Dongle mit Echtzeituhr, der alle Geräte einer Zone zeitlich synchronisiert. Die Variante CR01-ETC zeichnet zusätzlich alle 15 Minuten Energieverbrauchsdaten der Zone auf.
  • CR02: Echtzeituhr mit astronomischer Zeitschaltuhr für Außenbeleuchtung.
  • CR05: Bluetooth-Schnittstelle, die eine Keilton+autani-Zone mit bis zu 100 Knoten an die Autani-Building-Controls-Plattform anbindet.
  • AU-Manager: Controller mit EnergyCenter-Software, der Bluetooth, Zigbee (autaniNet), EnOcean und BACnet/IP zusammenführt und so die Brücke zur Gebäudeleittechnik schlägt.

Vorteile gegenüber drahtgebundenen Systemen

  • Keine zusätzlichen Steuerleitungen: Sensoren und Leuchten brauchen nur ihre Versorgung. Das senkt Material- und Montagekosten und verkürzt die Bauzeit – besonders in der Sanierung (siehe Lichtsteuerung im Bestand nachrüsten).
  • Dezentrale Intelligenz: In dezentral aufgebauten Systemen laufen Präsenz- und Tageslichtregelung in den Geräten selbst. Ein Gateway wird dann nur für übergeordnete Funktionen wie GLT-Anbindung oder Auswertungen benötigt.
  • Skalierbarkeit: Vom Einzelraum bis zum Gebäude mit mehreren Zonen – jede Zone wird separat aufgebaut und bei Bedarf über Gateways zusammengeführt.
  • Einfache Nachrüstung von Bedienstellen: Batteriebetriebene Taster lassen sich ohne Schlitzen an jede Wand kleben oder schrauben.

Grenzen und Planungshinweise

Bluetooth Mesh ist kein Selbstläufer. Diese Punkte sollten Sie früh klären:

  1. Zonengröße begrenzen: Planen Sie Zonen mit überschaubarer Knotenanzahl. Im Keilton+autani-System bindet ein CR05 eine Zone mit bis zu 100 Knoten an.
  2. Metall und Beton beachten: Metallische Leuchtengehäuse, Rasterdecken aus Metall, Stahlbetondecken und Aufzugsschächte dämpfen 2,4-GHz-Signale stark. Die Antenne des Funkknotens sollte nicht vollständig in Metall eingeschlossen sein.
  3. Koexistenz mit WLAN: WLAN nutzt ebenfalls das 2,4-GHz-Band. In der Praxis funktioniert das Nebeneinander meist problemlos, bei stark ausgelasteten Netzen sollten Sie die Kanalbelegung dennoch prüfen.
  4. Relay-Dichte: Nicht jedes Gerät muss weiterleiten. Zu viele Relays erhöhen die Funklast, zu wenige gefährden die Abdeckung. Bei Leuchten-Nodes in regelmäßigem Raster ist die Abdeckung in der Regel unkritisch.
  5. Außen- und Hallenbereiche: Für große Distanzen gibt es Varianten mit externen Antennen und IP65-Gehäusen (z. B. CR02, CR05).
  6. Dokumentation: Halten Sie Zonen, Gruppen, Szenen und Zugangsdaten fest. Bei der Übergabe an den Betreiber muss klar sein, wer das Netz administriert.

Typischer Projektablauf

So läuft ein Bluetooth-Mesh-Projekt mit Keilton+autani in der Regel ab:

  1. Planung: Raumbuch, Zonen und Gruppen festlegen, Sensorpositionen und Montagehöhen prüfen, kritische Funkstrecken identifizieren. Für die Sensorverteilung hilft der Rasterplaner.
  2. Installation: Sensoren und Leuchten-Nodes werden an der Versorgung angeschlossen – zusätzliche Steuerleitungen entfallen. Batterietaster werden an der gewünschten Stelle befestigt.
  3. Inbetriebnahme: Geräte werden per App ins Netz aufgenommen, Gruppen, Szenen, Nachlaufzeiten und Tageslicht-Sollwerte konfiguriert.
  4. Test und Optimierung: Begehung aller Zonen, Prüfung von Erfassung und Funkverbindung, Feinjustierung nach den ersten Nutzungswochen.
  5. Übergabe: Dokumentation und Zugangsdaten gehen an den Betreiber; optional folgt die Anbindung an Gateway und GLT.

Anbindung an die Gebäudeleittechnik

Viele Betreiber wollen Belegungs- und Energiedaten nicht nur in der Licht-App, sondern in ihrer GLT sehen. Über den AU-Manager lassen sich Keilton+autani-Zonen per BACnet/IP einbinden; weitere Wege sind Modbus oder eine API-Anbindung. Details dazu im Ratgeber GLT-Anbindung über BACnet und Modbus.

Fazit

Bluetooth Mesh bringt die Flexibilität von Funk in die professionelle Lichtsteuerung: keine zusätzlichen Steuerleitungen, softwaredefinierte Gruppen, verschlüsselte Kommunikation und ein Netz, das mit jedem Gerät robuster wird. Für Sanierungen, Hallen und Flächen mit häufigen Umnutzungen ist es oft die wirtschaftlichste Lösung. Voraussetzung für einen stabilen Betrieb sind eine sinnvolle Zonierung, die Berücksichtigung von Metall und Baukörper sowie eine saubere Dokumentation bei der Übergabe. Wenn Sie ein konkretes Projekt prüfen möchten, sprechen Sie uns über Kontakt an.

Häufige Fragen

Wie funktioniert Bluetooth Mesh?

In Bluetooth Mesh senden Geräte Nachrichten als Broadcast, und Relay-Knoten geben sie an ihre Nachbarn weiter. Dieses Managed Flooding verbreitet Befehle über mehrere Sprünge im Netz, ohne feste Routen. Ein Zähler für die Lebensdauer der Nachricht und ein Nachrichten-Cache verhindern eine Überlastung.

Wie sicher ist Bluetooth Mesh für die Lichtsteuerung?

Verschlüsselung und Authentifizierung sind in Bluetooth Mesh verpflichtend. Netzwerk-, Anwendungs- und Geräteschlüssel trennen Zugriffsebenen, Sequenznummern verhindern das Wiedereinspielen mitgeschnittener Nachrichten. Wichtig ist zusätzlich ein sorgfältiger Umgang mit Zugangsdaten bei Inbetriebnahme und Übergabe.

Welche Reichweite hat Bluetooth Mesh?

Die Reichweite eines einzelnen Geräts hängt vom Produkt ab; Keilton+autani-Komponenten geben je nach Typ 30 m bis 100 m an, Gateways mit Zusatzantenne mehr. Weil Relay-Knoten Nachrichten weiterleiten, wächst die Netzausdehnung mit jedem Gerät. Wände, Beton und Metall reduzieren die Reichweite in Gebäuden.

Stört WLAN ein Bluetooth-Mesh-Lichtsystem?

Beide nutzen das 2,4-GHz-Band, arbeiten in der Praxis aber meist problemlos nebeneinander. Bei stark ausgelasteten WLAN-Netzen sollten Sie die Kanalbelegung prüfen. Die redundanten Übertragungswege im Mesh erhöhen zusätzlich die Robustheit.

Kann ich Bluetooth Mesh an die Gebäudeleittechnik anbinden?

Ja. Im Keilton+autani-System bindet das Gateway CR05 eine Zone mit bis zu 100 Knoten an die Autani-Plattform an, der AU-Manager stellt die Daten per BACnet/IP bereit. Alternativ sind Anbindungen über Modbus oder API möglich.

Was sind die NLC-Profile des Bluetooth SIG?

Networked Lighting Control ist eine 2023 veröffentlichte Profilfamilie für Bluetooth Mesh. Sie definiert standardisierte Geräterollen wie Präsenzsensor, Lichtsensor, Szenenwähler und Leuchtencontroller. Ziel ist eine bessere Interoperabilität zwischen Produkten verschiedener Hersteller.