Eine Lichtsteuerung lässt sich im Bestand nachrüsten, ohne neue Steuerleitungen zu ziehen: Funkbasierte Sensoren und Bluetooth-Nodes werden direkt in oder an die Leuchten gesetzt, batteriebetriebene Sensoren und Wandschalter kommen ganz ohne Kabel aus, und die Vernetzung übernimmt ein Bluetooth-Mesh-Netz. Voraussetzung ist in den meisten Fällen ein dimmbarer LED-Treiber in der Leuchte. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Varianten es gibt, wie Sie den Bestand prüfen und wie ein Nachrüstprojekt mit möglichst wenig Unterbrechung des laufenden Betriebs abläuft.
Warum Nachrüsten im Bestand oft an der Verkabelung scheitert
Klassische Lichtsteuerungen mit DALI-Bussen oder zentralen Präsenzmeldern benötigen zusätzliche Steuerleitungen zwischen Sensoren, Steuergeräten und Leuchten. Im Neubau ist das planbar, im Bestand bedeutet es:
- Öffnen von Decken und Kabelkanälen, oft mit Staub- und Brandschutzmaßnahmen
- Nutzungsunterbrechungen in Büros, Lagern oder Produktion
- Aufwendige Abstimmung mit Mietern und Nutzern
- Kosten für Elektroarbeiten, die die eigentliche Sensorik deutlich übersteigen können
Genau hier setzen funkbasierte Systeme an. Bluetooth Mesh vermeidet zusätzliche Steuerleitungen, weil jede Leuchte mit Sensor oder Node selbst Teil des Netzes wird und Befehle an ihre Nachbarn weiterreicht. Die Grundlagen erklärt der Beitrag Bluetooth Mesh in der Lichtsteuerung.
Drei Nachrüstvarianten im Überblick
| Variante | Prinzip | Voraussetzung | Beispielprodukte |
|---|---|---|---|
| Sensor in der Leuchte (LLLC) | Sensor mit Bluetooth wird in oder an der Leuchte montiert und mit dem Treiber verbunden | Dimmbarer LED-Treiber mit 12-V-Hilfsspannung bzw. passender Schnittstelle | IFS105SE, IFS108, EFS106 |
| Bluetooth-Node plus Eco-Sensor | Node in der Leuchte übernimmt Funk und Dimmung, separater Sensor liefert Präsenz | Dimmbarer LED-Treiber mit Dim-to-Off und 12 VDC | FA102 + MWS105E |
| Batteriebetriebene Komponenten | Deckensensor und Wandschalter ohne jegliche Verkabelung | Leuchten sind bereits funkfähig gesteuert | BCS107, WP108E |
| Netzbetriebener Highbay-Sensor | Sensor mit integriertem Netzteil für Hallenleuchten | 120–277 VAC, Montagehöhe über 6 m | EFS104 |
Die Varianten lassen sich kombinieren. Typisch ist etwa ein Büro mit Sensoren auf Leuchtenebene, ergänzt um batteriebetriebene Wandschalter an den Türen, oder eine Halle mit Highbay-Sensoren und batteriebetriebenem Sensor im angrenzenden Sozialraum.
Variante 1: Sensor direkt in der Leuchte
Bei der Leuchtenebenen-Steuerung (LLLC) erhält jede Leuchte eine eigene Intelligenz. Sensoren wie der IFS105SE (rund, für 2–5 m) oder der IFS108 mit AUX-Schnittstelle (kompakt, für Büroleuchten) kombinieren PIR-Präsenzerkennung und Tageslichtmessung. Sie werden über einen 12-V-Gleichstromeingang versorgt. Für Hallen gibt es mit dem EFS106 einen Highbay-Sensor mit AUX-Schnittstelle für 5–22 m. Mehr zum Konzept lesen Sie unter Lichtsteuerung auf Leuchtenebene.
Variante 2: Bluetooth-Node mit Eco-Sensor
Der FA102 ist ein Bluetooth-Node für den Einbau in Leuchten. Er wird laut Datenblatt über den 12-VDC-Ausgang dimmbarer LED-Treiber mit Dim-to-Off-Funktion versorgt und steht in Varianten mit 0-10-V-Ausgang, doppeltem 0-10-V-Ausgang und PWM-Dimmung zur Verfügung. An den FA102 lassen sich Keilton+autani Eco-Sensoren anschließen, etwa der Mikrowellensensor MWS105E mit einem Erfassungsbereich bis 15 m und Montagehöhen bis 6,5 m. Die Kombination eignet sich besonders für Leuchten, deren Gehäuse keinen Platz für einen PIR-Sensor mit Linse bietet, und für Bereiche wie Lager oder Tiefgaragen.
Variante 3: Komplett ohne Kabel
Der BCS107 ist ein batteriebetriebener Deckensensor mit PIR-Präsenzerkennung und Tageslichtnutzung. Die mitgelieferte CR123A-Batterie erreicht laut Datenblatt eine Lebensdauer von bis zu 10 Jahren. Der Wandschalter WP108E wird mit einer CR2032-Batterie betrieben, bietet vier konfigurierbare Szenentasten, separate Dimmtasten sowie EIN-AUTO/AUS-Tasten und ist laut Hersteller für die einfache Nachrüstung bestehender Wandschalter vorgesehen. Beide Geräte werden über die Keilton+autani-App konfiguriert.
Bestandsaufnahme: Was Sie vor der Nachrüstung prüfen sollten
Eine strukturierte Bestandsaufnahme verhindert Überraschungen bei der Montage. Prüfen Sie je Bereich:
- Leuchtentyp und Treiber: Ist die Leuchte bereits LED? Ist der Treiber dimmbar (DALI, 0-10 V) und stellt er eine Hilfsspannung von 12 V bereit? Typenschild und Treiber-Datenblatt geben Auskunft.
- Dim-to-Off: Kann der Treiber über die Dimmschnittstelle vollständig abschalten, oder ist ein Relais erforderlich?
- Montagehöhe und Raumnutzung: Daraus ergibt sich der Sensortyp. Hilfe bietet der Ratgeber Sensoren richtig planen.
- Bauliche Gegebenheiten: Stahlbetondecken, Metallregale und Brandschutzwände beeinflussen die Funkausbreitung.
- Bestehende Schalter und Stromkreise: Welche Schalter bleiben, welche werden durch Funkschalter ersetzt?
- Anforderungen an Zeitpläne und Monitoring: Sind Zeitpläne, Energiemessung oder eine GLT-Anbindung gewünscht?
Systemaufbau: Von der Leuchte bis zur Plattform
Ein nachgerüstetes Keilton+autani-System lässt sich stufenweise ausbauen:
| Ausbaustufe | Komponenten | Funktionen |
|---|---|---|
| Lokale Steuerung | Sensoren, Nodes, Funkschalter, App | Präsenz- und Tageslichtsteuerung, Gruppen, Szenen |
| Zeitsteuerung | zusätzlich CR01 (Echtzeituhr) | Synchronisierte Zeitpläne innerhalb einer Zone; Variante CR01-ETC mit Energiemonitoring |
| Außenbereiche | CR02 (astronomische Uhr) | Schalten nach Sonnenauf- und -untergang, Reichweite bis 500 m mit Range Extension |
| Plattform | CR05 + RTR + AU-Manager | Zentrale Verwaltung, Grundrissansicht, Datenhaltung über ein Jahr, BACnet/IP |
Eine CR05-Schnittstelle integriert in Verbindung mit dem RTR bis zu 100 Knoten einer Keilton+autani-Zone in die Autani-Plattform. Größere Gebäude werden entsprechend in mehrere Zonen aufgeteilt. Wie Sie die Plattform an eine bestehende Gebäudeleittechnik anbinden, erklärt der Ratgeber GLT-Anbindung über BACnet, Modbus und API.
Ablauf eines Nachrüstprojekts
- Begehung und Bestandsaufnahme: Leuchten, Treiber, Höhen, Nutzung und Funkumgebung erfassen.
- Konzept und Produktauswahl: Sensor je Leuchte oder je Zone, Schalter, Gateways, gewünschte Ausbaustufe. Eine erste Orientierung gibt der Sensor-Finder.
- Musterinstallation: Ein Raum oder eine Hallenachse wird ausgerüstet und im Betrieb getestet.
- Montage abschnittsweise: Leuchte öffnen, Sensor oder Node anschließen, Leuchte schließen. Die Arbeiten lassen sich meist raumweise und außerhalb der Kernnutzungszeiten erledigen.
- Inbetriebnahme per App: Geräte werden über die Keilton+autani-App eingelesen, Gruppen gebildet und Profile für Präsenz, Nachlaufzeiten und Tageslicht eingestellt.
- Einregulierung und Übergabe: Nach einigen Tagen Betrieb werden Nachlaufzeiten und Dimmstufen anhand der Nutzerrückmeldungen optimiert.
Wirtschaftlichkeit der Nachrüstung
Weil die Elektroarbeiten für neue Steuerleitungen entfallen, verschiebt sich die Kostenstruktur deutlich in Richtung Hardware und Inbetriebnahme. Die Einsparung hängt von Nutzungsprofil, Tageslichtanteil und Ausgangszustand ab. Mit Präsenz- und Tageslichtsteuerung auf Leuchtenebene sind in geeigneten Anwendungen Einsparungen bei der Beleuchtung von bis zu 90 % möglich, in typischen Büros liegen die Werte je nach Nutzung darunter. Eine belastbare Abschätzung für Ihr Gebäude erhalten Sie mit dem Einsparrechner; den Rechenweg erläutert der Ratgeber Einsparung und Amortisation berechnen.
Sonderfall: Enlighted-Bestandsanlagen
Betreiben Sie bereits eine Enlighted-Anlage, stellt sich die Frage der Nachrüstung anders: Hier geht es um die Absicherung des Betriebs nach der Abkündigung durch Siemens und um eine mögliche schrittweise Migration. Building Robotics Europe unterstützt Direktkunden bis zum 30.09.2035 und hält Sensoren und Gateways auf Lager. Details finden Sie unter Enlighted-Support und im Ratgeber Enlighted-Abkündigung: Was Betreiber jetzt tun sollten.
Fazit
Eine Lichtsteuerung im Bestand nachzurüsten ist ohne neue Steuerleitungen möglich, wenn die Leuchten über dimmbare LED-Treiber verfügen. Sensoren auf Leuchtenebene, Bluetooth-Nodes mit Eco-Sensoren und batteriebetriebene Komponenten decken nahezu alle Raumtypen ab, von Büros bis zu Hallen. Entscheidend sind eine sorgfältige Bestandsaufnahme der Treiber, eine Musterinstallation und eine schrittweise Umsetzung. Für eine erste Einschätzung Ihres Gebäudes nutzen Sie den Sensor-Finder oder sprechen Sie uns direkt über die Kontaktseite an.
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Sensor-Finder
Häufige Fragen
Kann man eine Lichtsteuerung ohne neue Kabel nachrüsten?
Ja. Funkbasierte Sensoren und Bluetooth-Nodes werden in oder an der Leuchte angeschlossen und vernetzen sich über Bluetooth Mesh. Batteriebetriebene Sensoren und Wandschalter benötigen überhaupt keine Leitung. Zusätzliche Steuerleitungen zwischen Sensoren und Leuchten entfallen.
Welche Voraussetzungen muss die Leuchte für die Nachrüstung erfüllen?
In der Regel ist ein dimmbarer LED-Treiber erforderlich, zum Beispiel mit 0-10-V- oder DALI-Schnittstelle. Nodes wie der FA102 benötigen zusätzlich eine 12-VDC-Versorgung aus dem Treiber und eine Dim-to-Off-Funktion. Prüfen Sie dazu Typenschild und Treiber-Datenblatt.
Wie lange hält die Batterie eines Funk-Präsenzmelders?
Für den batteriebetriebenen Deckensensor BCS107 gibt das Datenblatt eine Batterielebensdauer von bis zu 10 Jahren mit einer CR123A-Batterie an. Die tatsächliche Lebensdauer hängt von Nutzung und Umgebungsbedingungen ab.
Muss der Betrieb für die Nachrüstung unterbrochen werden?
Meist nur kurzzeitig je Leuchte oder Raum. Da keine Decken für neue Leitungen geöffnet werden müssen, lässt sich die Montage abschnittsweise und außerhalb der Kernnutzungszeiten durchführen. Die Inbetriebnahme erfolgt anschließend per App.
Lohnt sich die Nachrüstung bei alten Leuchtstofflampen?
Bei konventionellen Leuchten ist die reine Steuerungsnachrüstung selten wirtschaftlich. Sinnvoller ist meist der Tausch gegen dimmbare LED-Leuchten, idealerweise mit werkseitig integriertem Sensor, sodass Leuchtentausch und Steuerung in einem Schritt erfolgen.




