LLLC steht für Luminaire Level Lighting Control – Lichtsteuerung auf Leuchtenebene. Das Prinzip: Jede Leuchte erhält ihren eigenen vernetzten Präsenz- und Tageslichtsensor und wird damit zu einem eigenständigen, intelligenten Knoten im Netz. NLC5 bezeichnet die fünfte Generation der technischen Anforderungen an vernetzte Lichtsteuerungssysteme (Networked Lighting Controls) des nordamerikanischen DesignLights Consortium (DLC), in der LLLC als eigene Kategorie geführt wird. Für Planer, Installateure und Leuchtenhersteller in Europa ist LLLC vor allem deshalb interessant, weil es die feinste Regelauflösung bei geringstem Installationsaufwand bietet. Dieser Ratgeber erklärt Begriffe, Architektur, Vorteile und Planungsaspekte.

Begriffe sauber einordnen

Was genau ist LLLC?

Das DLC orientiert sich an der Definition der Northwest Energy Efficiency Alliance (NEEA): Bei Luminaire Level Lighting Control besitzt jede Leuchte einen vernetzten Präsenzsensor und einen Umgebungslichtsensor, die bereits bei der Herstellung in die Leuchte integriert oder direkt an ihr angebracht werden. Die Leuchte trifft Regelentscheidungen selbst und tauscht sich gleichzeitig mit anderen Leuchten im Netz aus.

Was bedeutet NLC5?

Das DLC veröffentlicht technische Anforderungen, die vernetzte Lichtsteuerungssysteme erfüllen müssen, um in die DLC-Qualified-Products-Liste aufgenommen zu werden. Diese Liste ist vor allem in Nordamerika relevant, weil viele Förderprogramme darauf verweisen. Mit der Version 5 (NLC5) und ihren Fortschreibungen (aktuell V5.2) werden Pflichtfunktionen und zu dokumentierende Funktionen definiert – etwa Vernetzung, Präsenzerkennung, Tageslichtnutzung, Dimmung, Zeitsteuerung und Energiemonitoring. Systeme mit LLLC werden gesondert ausgewiesen.

Architektur: zentral, raumbezogen oder leuchtenbezogen

MerkmalZentral / BusRaumsensor (Zone)LLLC (Leuchtenebene)
Sensorenwenige, im Raum verteilteiner pro Raum oder Zoneeiner pro Leuchte
RegelauflösungRaum / GruppeZoneeinzelne Leuchte
Steuerleitungenerforderlichteilweisenicht erforderlich (Funk)
Tageslichtzonenmüssen geplant werdenmüssen geplant werdenergeben sich automatisch
UmnutzungUmverdrahtung oder UmprogrammierungUmprogrammierungUmgruppierung per App
Erfassungsdichtegeringmittelhoch, redundant
Installationsaufwandhochmittelgering (Leuchte = Sensor)

Die Vorteile von LLLC im Detail

1. Mehr Einsparung durch feinere Regelung

Wenn jede Leuchte selbst misst, liefert sie genau das Licht, das an ihrem Standort fehlt. Fensternahe Leuchten dimmen stärker als raumseitige, Leuchten über unbelegten Arbeitsplätzen können auf ein Grundniveau fallen. Eine von NEEA und DLC 2020 veröffentlichte Auswertung von Messdaten aus 194 Gebäuden in Nordamerika ermittelte durchschnittliche Einsparungen von 49 % für vernetzte Lichtsteuerungen und 63 % für vernetzte Systeme mit LLLC. Diese Werte beziehen sich auf die untersuchten Projekte und sind nicht ohne Weiteres übertragbar, zeigen aber die Größenordnung des Zusatznutzens.

2. Kein zusätzlicher Planungs- und Verdrahtungsaufwand für Sensoren

Bei LLLC bringt jede Leuchte ihren Sensor mit. Die Sensorplanung folgt damit der Lichtplanung – ein separates Sensorraster entfällt weitgehend. In Kombination mit Bluetooth Mesh sind keine zusätzlichen Steuerleitungen nötig.

3. Redundanz und Nutzerakzeptanz

Weil viele Sensoren denselben Bereich überwachen, fallen tote Winkel einzelner Sensoren kaum ins Gewicht. Die Leuchten einer Gruppe teilen ihre Belegungsinformation, sodass die Gruppe eingeschaltet bleibt, solange irgendein Sensor Anwesenheit erkennt.

4. Daten mit hoher Auflösung

Jeder Sensor ist ein Datenpunkt. Belegungs- und Energiedaten stehen damit in Leuchtenauflösung zur Verfügung – eine gute Grundlage für Flächenmanagement und Energieberichte (siehe Energiemonitoring und Belegungsdaten).

Umsetzung mit Keilton+autani

Die Keilton+autani-Linie bietet mehrere Wege, eine Leuchte LLLC-fähig zu machen:

  • IFS108: Kompakter Sensor mit AUX-Schnittstelle, PIR-Erfassung und Tageslichtnutzung, ausgelegt für LLLC/NLC5 und besonders für Büroleuchten geeignet. Montagehöhe 2 bis 5 m, 12-V-Gleichstromeingang, Plug-and-Play mit vorinstalliertem Sensoranschluss.
  • IFS105SE: Runder Indoor-Sensor für LLLC mit PIR und Tageslichtnutzung, ebenfalls für 2 bis 5 m. Optional mit Deckenhalterung und Verbindungskabel zum Treiber.
  • FA102: Bluetooth-Node im Miniaturformat für den Einbau in die Leuchte. Versorgung über 12 V DC aus dimmbaren LED-Treibern mit Dim-to-Off-Funktion, Ausgänge je nach Variante 0–10 V, doppelt 0–10 V oder PWM. Der FA102 ist „sensorbereit“ und bindet Eco-Sensoren wie den Mikrowellensensor MWS105E an.
  • EFS106: Highbay-Sensor mit AUX-Schnittstelle für LLLC/NLC5 in Montagehöhen von 5 bis 22 m – der LLLC-Ansatz für Hallen und Lager.

Planung einer LLLC-Anlage

Leuchtenauswahl und Treiber

Voraussetzung ist ein dimmbarer LED-Treiber, der zur Schnittstelle des Sensors bzw. Nodes passt. Für die Keilton+autani-Sensoren mit 12-V-Eingang sollte der Treiber eine entsprechende Hilfsversorgung bereitstellen. Prüfen Sie außerdem Dimmbereich und Dim-to-Off-Verhalten.

Montagehöhe und Sichtfeld

Die Erfassung ist an die Montagehöhe gebunden. Bei abgehängten Pendelleuchten verändert sich die Höhe über dem Boden – prüfen Sie, ob sie im spezifizierten Bereich des Sensors liegt. Bei Leuchten mit tiefem Gehäuse darf der Sensor nicht durch Blenden oder Raster verdeckt werden.

Gruppen und Profile

Auch bei LLLC arbeiten Leuchten selten völlig isoliert. Typisch ist eine Gruppierung nach Raum oder Arbeitsbereich: Alle Leuchten einer Gruppe reagieren gemeinsam auf Anwesenheit, regeln aber das Tageslicht individuell. Legen Sie Grundlichtniveaus für unbelegte Nachbarbereiche fest, damit große Flächen nicht als „Lichtinseln“ wirken.

Bedienung

Nutzer brauchen trotz Automatik eine Eingriffsmöglichkeit. Batteriebetriebene Funktaster wie der WP108E können ohne Leitungsverlegung an jede Wand montiert und Lichtgruppen zugeordnet werden.

Vom Werk bis zur Baustelle: typischer Ablauf

LLLC verschiebt Arbeit von der Baustelle in die Leuchtenfertigung. Ein typischer Ablauf sieht so aus:

  1. Leuchtenentwicklung: Der Leuchtenhersteller legt Sensorposition, Kabelführung und Treiber fest und prüft Funk- und Erfassungsverhalten am Muster.
  2. Fertigung: Sensor bzw. Node werden im Werk montiert und angeschlossen. Mit Plug-and-Play-Anschlüssen reduziert sich der Aufwand auf wenige Handgriffe.
  3. Installation: Der Elektroinstallateur montiert die Leuchte wie eine ungesteuerte Leuchte – Netzanschluss genügt.
  4. Inbetriebnahme: Leuchten werden per App erfasst, Räumen und Gruppen zugeordnet und mit Profilen für Präsenz, Tageslicht und Nachlaufzeiten versehen.
  5. Betrieb: Der Betreiber passt Gruppen und Profile bei Umnutzungen an, ohne dass ein Elektriker an die Leitungen muss.

Dieser Ablauf verkürzt die Bauzeit und reduziert Fehlerquellen bei der Verdrahtung. Für Installateure entfällt die Abstimmung eines separaten Sensorplans mit der Leuchtenplanung; für Planer wird die Ausschreibung einfacher, weil Leuchte und Sensor als Einheit beschrieben werden können.

LLLC im Bestand: Enlighted

Auch die Systeme von Enlighted arbeiten nach dem LLLC-Prinzip: Die Sensoren werden in die Leuchten eingebaut und steuern den dimmbaren Treiber über DALI oder 0–10 V. Mit Enlighted Eazy gibt es eine App-basierte Variante mit laserbasierter Inbetriebnahme und Übergabe an den Kunden per QR-Code. Building Robotics Europe bietet Service und Support für Enlighted-Bestandsanlagen bis zum 30.09.2035 – mehr dazu unter Enlighted-Support.

Grenzen von LLLC

  • Stückkosten: Ein Sensor pro Leuchte bedeutet mehr Sensoren als bei einer Raumlösung. Die höheren Hardwarekosten werden durch geringeren Installationsaufwand und höhere Einsparung meist ausgeglichen, müssen aber projektbezogen bewertet werden.
  • Sehr kleine Räume: In einem WC mit einer Leuchte bringt LLLC keinen Vorteil gegenüber einem Einzelsensor.
  • Leuchten ohne passende Schnittstelle: Nicht jede Bestandsleuchte lässt sich wirtschaftlich nachrüsten. Hier sind oft separate Decken- oder Batteriesensoren wie der BCS107 die bessere Wahl (siehe Lichtsteuerung im Bestand nachrüsten).

Welche Lösung wirtschaftlich passt, können Sie mit dem Einsparrechner abschätzen oder im Produktvergleich gegenüberstellen.

Fazit

LLLC verlagert die Intelligenz dorthin, wo das Licht entsteht: in die Leuchte. Das Ergebnis sind eine sehr feine Tageslicht- und Präsenzregelung, hohe Redundanz, detaillierte Daten und – in Verbindung mit Funk – ein minimaler Installationsaufwand. Die DLC-Anforderungen nach NLC5 bieten dafür einen hilfreichen Referenzrahmen, auch wenn sie in Europa nicht verpflichtend sind. Für Leuchtenhersteller lohnt es sich, sensorfähige Leuchtenfamilien frühzeitig einzuplanen; für Planer und Betreiber ist LLLC in Büros, Schulen und Hallen oft die wirtschaftlich und technisch überzeugendste Architektur.

Häufige Fragen

Was bedeutet LLLC in der Lichtsteuerung?

LLLC steht für Luminaire Level Lighting Control, also Lichtsteuerung auf Leuchtenebene. Jede Leuchte besitzt einen eigenen vernetzten Präsenz- und Tageslichtsensor und regelt individuell. Gleichzeitig tauschen die Leuchten Belegungsinformationen im Netz aus.

Was ist NLC5?

NLC5 bezeichnet die fünfte Version der technischen Anforderungen des DesignLights Consortium an vernetzte Lichtsteuerungssysteme. Sie legt Pflicht- und Dokumentationsfunktionen fest, etwa Vernetzung, Präsenzerkennung, Tageslichtnutzung und Energiemonitoring. Aktuell gilt die Fortschreibung V5.2.

Wie viel spart LLLC im Vergleich zu anderen Lichtsteuerungen?

Eine 2020 veröffentlichte Auswertung von NEEA und DLC mit Messdaten aus 194 Gebäuden ermittelte durchschnittlich 49 Prozent Einsparung für vernetzte Lichtsteuerungen und 63 Prozent für Systeme mit LLLC. Die konkreten Werte hängen stark vom Projekt ab und sind nicht direkt übertragbar.

Braucht man für LLLC zusätzliche Steuerleitungen?

Nicht zwingend. Bei funkbasierten Systemen wie Bluetooth Mesh kommunizieren die Leuchten drahtlos miteinander. Die Leuchte benötigt dann nur ihre Netzversorgung sowie einen dimmbaren Treiber mit passender Schnittstelle und Hilfsversorgung für den Sensor.

Ist eine DLC-Zertifizierung in Deutschland erforderlich?

Nein, die DLC-Listung ist vor allem für Förderprogramme in Nordamerika relevant. Die NLC-Anforderungen sind aber ein nützlicher, herstellerneutraler Maßstab für die Funktionen eines professionellen vernetzten Lichtsteuerungssystems.