Ein Bewegungsmelder schaltet Licht ein, sobald er deutliche Bewegungen erkennt – typischerweise Personen, die einen Flur, eine Treppe oder einen Außenbereich durchqueren. Ein Präsenzmelder erkennt dagegen auch kleinste Bewegungen wie das Tippen auf einer Tastatur und misst zusätzlich laufend die Helligkeit im Raum. Er ist deshalb das richtige Werkzeug für Arbeitsplätze, Besprechungsräume und überall dort, wo Menschen längere Zeit ruhig sitzen. Für Verkehrsflächen mit kurzer Aufenthaltsdauer reicht häufig ein Bewegungsmelder. Dieser Ratgeber zeigt die technischen Unterschiede, typische Einsatzbereiche und die Kriterien, nach denen Sie in der Planung auswählen sollten.
Der Kernunterschied in einem Satz
Beide Gerätetypen arbeiten meist mit derselben Grundtechnologie – häufig einem passiven Infrarotsensor (PIR) –, unterscheiden sich aber in Empfindlichkeit, Auswertelogik und Lichtmessung. Der Bewegungsmelder fragt: „Kommt gerade jemand?“ Der Präsenzmelder fragt: „Ist noch jemand da, und reicht das vorhandene Licht?“
Wie ein Bewegungsmelder arbeitet
Ein Bewegungsmelder ist auf größere, eindeutige Bewegungen ausgelegt. Seine Linse teilt den Erfassungsbereich in relativ grobe Zonen auf. Erst wenn eine Wärmequelle – in der Regel ein Mensch – mehrere dieser Zonen durchquert, löst er aus. Dazu kommt meist eine einfache Dämmerungsschwelle: Das Licht schaltet nur ein, wenn es unterhalb eines eingestellten Helligkeitswerts liegt.
Typische Merkmale:
- Schalten statt Regeln: Licht an oder aus, selten gedimmt.
- Helligkeitsprüfung nur beim Einschalten: Ist das Licht einmal an, bleibt es bis zum Ablauf der Nachlaufzeit an – auch wenn inzwischen genug Tageslicht vorhanden ist.
- Grobe Erfassung: Sitzende Personen mit kleinen Bewegungen werden oft nicht zuverlässig erkannt. Das Ergebnis kennt jeder: Man winkt im dunklen Büro, damit das Licht wieder angeht.
Wie ein Präsenzmelder arbeitet
Ein Präsenzmelder besitzt eine feiner segmentierte Optik und eine empfindlichere Auswertung. Er soll auch dann Anwesenheit erkennen, wenn sich eine Person am Schreibtisch nur minimal bewegt. Moderne Geräte werten die Sensorsignale zusätzlich mit Algorithmen aus, die zwischen echten Personen und Störquellen unterscheiden. Die Sensoren der Keilton+autani-Linie nutzen dafür etwa den AlgoH2-Algorithmus, der Fehlauslösungen reduzieren soll.
Der zweite große Unterschied ist die kontinuierliche Lichtmessung. Ein Präsenzmelder misst das Mischlicht aus Tages- und Kunstlicht dauerhaft und kann:
- das Kunstlicht abschalten, wenn genug Tageslicht vorhanden ist, obwohl Personen anwesend sind,
- in Verbindung mit dimmbaren LED-Treibern eine Konstantlichtregelung umsetzen (mehr dazu im Ratgeber Tageslichtnutzung / Daylight Harvesting),
- mehrere Leuchtengruppen unterschiedlich ansteuern, etwa fensternah und raumseitig.
Gegenüberstellung
| Kriterium | Bewegungsmelder | Präsenzmelder |
|---|---|---|
| Erkennt | größere Bewegungen (Gehen) | auch kleine Bewegungen (Sitzen, Schreiben) |
| Lichtmessung | meist nur beim Einschalten | kontinuierlich (Mischlicht) |
| Ausgang | Schalten ein/aus | Schalten und Dimmen, Konstantlicht |
| Typische Nachlaufzeit | kurz (Richtwert: 1–5 min) | länger (Richtwert: 5–20 min) |
| Einsatzorte | Flure, Treppen, Nebenräume, außen | Büros, Klassenräume, Besprechung, Hallen mit Arbeitsplätzen |
| Energieeinsparung | Anwesenheitsabhängig | Anwesenheits- und tageslichtabhängig |
| Vernetzung | selten | häufig (Funk, Bus, GLT) |
Die Nachlaufzeiten sind Richtwerte aus der Praxis. Maßgeblich sind Nutzung, Raumgröße und die Anforderungen des Betreibers.
Vollautomat oder Halbautomat?
Bei Präsenzmeldern kommt eine Betriebsart hinzu, die in Ausschreibungen oft untergeht:
- Vollautomatik (Präsenzbetrieb): Licht schaltet bei Anwesenheit und zu geringer Helligkeit automatisch ein und nach Verlassen automatisch aus.
- Halbautomatik (Abwesenheitsbetrieb): Der Nutzer schaltet das Licht manuell per Taster ein, der Melder schaltet bei Abwesenheit automatisch aus.
Der Abwesenheitsbetrieb spart in Räumen mit viel Tageslicht meist zusätzlich Energie, weil das Licht gar nicht erst automatisch angeht, wenn es der Nutzer nicht braucht. Der batteriebetriebene Deckensensor BCS107 unterstützt beide Varianten (Präsenz-/Abwesenheitssteuerung) und lässt sich mit dem Bluetooth-Wandschalter WP108E kombinieren, der unter anderem EIN-AUTO/AUS-Tasten, Dimmtasten und Szenen mit zeitverzögertem Ausschalten bietet.
Wo welcher Melder hingehört
Bewegungsmelder sind sinnvoll in
- Durchgangsbereichen wie Fluren, Treppenhäusern und Tiefgaragen-Zugängen, in denen sich Personen fast immer bewegen,
- Nebenräumen mit kurzer Aufenthaltsdauer (Lager, Technikräume, Abstellräume),
- Außenbereichen wie Zufahrten und Eingängen.
Auch hier gilt: Wenn der Flur zu einem vernetzten System gehört, lohnt sich oft ein Präsenzmelder mit Dimmfunktion. Statt vollständig auszuschalten, kann das Licht auf ein Grundniveau reduziert werden – die sogenannte Korridorfunktion. Das erhöht das Sicherheitsgefühl und senkt trotzdem den Verbrauch.
Präsenzmelder sind Pflicht in
- Büros und Open Spaces: Ruhige Bildschirmarbeit erfordert eine empfindliche Erfassung.
- Klassen- und Seminarräumen: Lange Sitzphasen und wechselnde Tageslichtverhältnisse.
- Besprechungsräumen: Personen sitzen oft minutenlang nahezu bewegungslos.
- Hallen mit Arbeitsplätzen: Hier sind spezielle Highbay-Sensoren gefragt (siehe Highbay-Sensoren für Hallen und Lager).
Auswahlkriterien für die Planung
Die Frage „Präsenz- oder Bewegungsmelder?“ ist nur der Einstieg. Für eine belastbare Planung sollten Sie folgende Punkte klären:
1. Nutzung und Aufenthaltsdauer
Wie lange halten sich Personen im Raum auf, und wie viel bewegen sie sich dabei? Daraus ergibt sich die notwendige Empfindlichkeit.
2. Montagehöhe und Erfassungsbereich
Jeder Sensor hat einen vom Hersteller angegebenen Montagehöhenbereich. Die Keilton+autani-Sensoren IFS108 und IFS105SE sind beispielsweise für 2 bis 5 m ausgelegt, der Dual-Tech-Sensor EFS107E deckt Räume mit bis zu 56 m² ab. Planen Sie immer so, dass sich die Erfassungsbereiche benachbarter Sensoren leicht überlappen. Unser Rasterplaner hilft bei der Verteilung.
3. Sensortechnologie
PIR benötigt Sichtverbindung, Ultraschall und Mikrowelle erfassen auch hinter Hindernissen. Welche Technologie in welchem Raum am besten passt, erklärt der Ratgeber PIR, Ultraschall, Mikrowelle und Dual-Tech im Vergleich.
4. Lichtregelung
Soll nur geschaltet oder auch tageslichtabhängig gedimmt werden? Für eine Konstantlichtregelung brauchen Sie dimmbare Betriebsgeräte (z. B. 0–10 V, PWM oder DALI) und einen Melder mit integriertem Lichtsensor.
5. Vernetzung und Integration
Einzelne Melder regeln einen Raum. Vernetzte Melder tauschen Belegungsinformationen aus, synchronisieren Leuchtengruppen und liefern Daten an übergeordnete Systeme. Mit Bluetooth Mesh entfallen dafür zusätzliche Steuerleitungen; die Anbindung an eine Gebäudeleittechnik gelingt über BACnet, Modbus oder API.
6. Montageort: Decke, Wand oder Leuchte
Neben klassischen Decken- und Wandmeldern gibt es Sensoren, die direkt in die Leuchte integriert werden. Dieses Konzept heißt Luminaire Level Lighting Control und wird im Ratgeber LLLC / NLC5 ausführlich erklärt.
Wie viel Energie lässt sich sparen?
Die Einsparung hängt von Belegungsgrad, Tageslichtangebot, Ausgangszustand und Regelstrategie ab. Präsenzmelder mit Tageslichtregelung sparen in der Regel deutlich mehr als reine Bewegungsmelder, weil sie zwei Effekte kombinieren: Abschalten bei Abwesenheit und Dimmen bei vorhandenem Tageslicht. In Kombination mit LED-Leuchten und vernetzter Steuerung sind bei der Beleuchtung Einsparungen von bis zu 90 % gegenüber ungeregelten Altanlagen möglich. Für eine projektbezogene Abschätzung nutzen Sie den Einsparrechner oder lesen Sie den Ratgeber Energieeinsparung durch Lichtsteuerung berechnen.
Mehrwert vernetzter Präsenzmelder: Belegungsdaten
Ein oft unterschätzter Vorteil vernetzter Präsenzmelder: Sie liefern nicht nur Schaltbefehle, sondern auch Informationen darüber, wann welche Bereiche tatsächlich genutzt werden. Facility Manager können daraus ableiten, welche Flächen dauerhaft leer stehen, wie Reinigungsintervalle angepasst werden können oder ob Heizung und Lüftung bedarfsgerechter laufen sollten. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Energiemonitoring und Belegungsdaten.
Checkliste für die Ausschreibung
- Betriebsart festlegen (Vollautomat / Halbautomat) je Raumtyp
- Nachlaufzeiten und Grundlichtniveaus definieren
- Montagehöhe und Erfassungsbereich laut Datenblatt prüfen
- Lichtsensor und Dimmschnittstelle der Leuchten abstimmen
- Vernetzung, Taster und Szenen einplanen
- Schnittstelle zur GLT (BACnet, Modbus, API) klären
- Inbetriebnahme und Übergabe an den Betreiber beschreiben
Wenn Sie unsicher sind, welcher Sensor zu Ihrem Raum passt, liefert der Sensor-Finder eine erste Empfehlung. Für konkrete Projekte können Sie uns gern über Kontakt ansprechen.
Fazit
Bewegungsmelder und Präsenzmelder unterscheiden sich weniger in der Sensortechnik als in Empfindlichkeit, Lichtmessung und Regelverhalten. Bewegungsmelder sind die wirtschaftliche Lösung für Durchgangs- und Nebenflächen. Überall, wo Menschen sitzen und arbeiten, ist der Präsenzmelder mit kontinuierlicher Lichtmessung die fachlich richtige Wahl. Wer beide Typen in ein vernetztes System einbindet, gewinnt zusätzlich Flexibilität, Transparenz über die Belegung und die Möglichkeit, Einsparungen messbar zu machen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Präsenzmelder und Bewegungsmelder?
Ein Bewegungsmelder reagiert auf größere Bewegungen und schaltet das Licht meist nur ein und aus. Ein Präsenzmelder erkennt auch kleine Bewegungen wie Schreiben am Schreibtisch und misst kontinuierlich die Helligkeit. Dadurch kann er Licht bei ausreichendem Tageslicht abschalten oder dimmen, obwohl Personen anwesend sind.
Kann ich im Büro einen Bewegungsmelder verwenden?
Technisch ja, fachlich ist es meist keine gute Lösung. Sitzende Personen werden von Bewegungsmeldern oft nicht zuverlässig erkannt, sodass das Licht während der Arbeit ausgeht. Für Büros und Besprechungsräume sollten Sie Präsenzmelder mit feiner Erfassung und Lichtmessung einsetzen.
Was bedeutet Halbautomat beim Präsenzmelder?
Im Halbautomatik- oder Abwesenheitsbetrieb schaltet der Nutzer das Licht manuell per Taster ein. Der Melder schaltet es automatisch aus, wenn der Raum verlassen wurde. In Räumen mit viel Tageslicht spart diese Betriebsart häufig zusätzlich Energie.
Welche Nachlaufzeit ist bei Präsenzmeldern sinnvoll?
Als Richtwert haben sich in Büros 5 bis 20 Minuten bewährt, in Fluren und Nebenräumen kürzere Zeiten. Zu kurze Zeiten führen zu Fehlabschaltungen, zu lange Zeiten verschenken Einsparpotenzial. Die passende Einstellung hängt von Nutzung und Betreiberanforderungen ab.
Wie viel Energie spart ein Präsenzmelder?
Das hängt von Belegung, Tageslicht und Ausgangszustand ab. Präsenzmelder mit Tageslichtregelung sparen meist deutlich mehr als reine Bewegungsmelder. In Kombination mit LED und vernetzter Steuerung sind bei der Beleuchtung Einsparungen von bis zu 90 Prozent gegenüber ungeregelten Altanlagen möglich.




